Samstag, 28. November 2009

Therapeutische Gemeinschaft Wilschenbruch (XXIV)

Doch mit dem Buch kamen die Tränen

Sie erzählt mit ruhiger Stimme. Sie überlegt sich jeden Satz. Sie erzählt ihre Geschichte, als sei es die Geschichte einer anderen Frau. Diese Frau hat von 2004 bis 2006 mit ihren beiden Söhnen in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch gelebt. Ihr Freund war eine Zeitlang dabei. Doch mit einem Buch kamen die Tränen.


Dieses Buch wird ihr in dem Jugendamt einer niedersächsischen Kleinstadt in die Hand gedrückt, Verfasser ist Ruthard Stachowske, Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch. Sie ist überzeugt: „Der Mann kann uns helfen.“ Diese Überzeugung hält nicht lange. Sonja Meier (Name geändert) vergleicht den Alltag in der Einrichtung mit Stachowskes Behauptung, er mache eine familienorientierte Drogentherapie. „Macht er nicht“, sagt sie heute.

Jonas kommt herein. Der Kleine ist elf Jahre alt, sein Bruder sieben. „Noch was?“ fragt der Junge. „Du kannst noch die Badewanne sauber machen“, sagt Sonja Meier. „Okay“, sagt Jonas und verschwindet im Badezimmer.

Dieser Junge sagt über den Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch: „Das ist ein böser Mann.“ Jonas und sein Bruder sind dabei gewesen, als ihre Mutter wieder einmal erniedrigt wird. Angeblich hat sich Sonja Meier nicht an den „Rauchplan“ der Einrichtung gehalten. Darin aufgelistet werden die Rauchpausen. Jetzt gibt es einen neuen Plan. Die Rauchpause während der Kaffeerunde am Sonntag fehlt. Sonja Meier weiß das nicht, will trotzdem eine Zigarette rauchen. Bestraft wird so etwas in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch mit Sanktionen. Heißt: Patienten werden in Klausur geschickt, sollen allein gelassen über ihr angebliches Fehlverhalten nachdenken.

Dann werden alle zusammengetrommelt, Kinder, das Team des Professors der Philosophie, die Patienten. Jemand hält Sonja Meier ein Tablett mit Zigarettenkippen hin. Sie wird gefragt, ob sie jetzt eine rauchen wolle. Jonas bricht in Tränen aus.

„In dieser Einrichtung“, sagt die 34-Jährige, „werden Menschen auseinander genommen. Dann werden sie neu wieder zusammengefügt.“ Gefalle dem Leiter der Einrichtung das Puzzle nicht, müsse man gehen. Sonja Meier auch. Sie wird in eine Selbsthilfegruppe gebracht. Erzählt dort von ihren Erlebnissen, dass ihre Söhne noch in Wilschenbruch sind und inzwischen die dritte Bezugsperson haben.

„Therapie“, sagt Sonja Meier, „Therapie haben die mit mir nicht gemacht.“

Wird fortgesetzt
Veröffentlicht am 20. Oktober 2009

Kommentare:

  1. Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt,es
    hat sich nichts geändert.
    Aber das ist Stachowske,macht Mütter vor den Kindern fertig und schreit sie an,und bemerkt nicht was er den Kindern damit antut.Der Mann macht sich zum Affen der Nation, mehr kann ich dazu nicht sagen.
    Ich warte auf die Fortsetzung,bin schon richtig gespannt!!!!!

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  2. wieder ein Bericht der sich mit vielen Berichten deckt. Anrufer/innen die andere ehemalige Klienten/innen der TG Wilschenbruch über Jahre nicht gesehen und gesprochen haben.
    Hört hier eigentlich mal Jemand richtig zu?

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