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Donnerstag, 9. Februar 2017

An die Wand gedrückt

Großeltern brechen Tür auf

Ein Großvater und eine Großmutter brechen in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch (TG) eine Tür auf, ihre Enkelin sitzt allein mit Fieber und Schüttelfrost in einem Zimmer, dort gibt es nur eine Isomatte und eine Decke für den Schlafplatz. 

Das berichtet eine heute 29-Jährige, die von 1997 bis 2001 mit ihrer Mutter in der TG gewesen ist. Ihre Mutter habe in der Einrichtung von Ruthard Stachowske freiwillig eine Drogentherapie gemacht, Mutter und Kind durften sich nur selten sehen: "Ich weiß nicht, wem diese Trennung mehr seelischen Schaden zugefügt hat."

Immer wieder sei sie bestraft worden: "Wenn ich Stachowske nicht zuhörte, schlug er mich. Er packte mich am Hals und würgte mich. Er drückte mich an der Wand hoch." Das könnten ein "Mann namens Marc und eine Kinder- und Jugendpsychiaterin" bestätigen. Auch einer Klientin namens Ulrike habe sie sich anvertraut.

Einige Namen habe sie inzwischen vergessen, aber "an das Gesicht von Ruthard Stachowske" erinnere sie sich noch sehr gut. Auch in dessen Büro sei sie von den anderen isoliert worden, wenn sie nicht brav gewesen sei: "Dreimal täglich durfte ich zum Essen und aufs Klo." Eines Tages sei sie so wütend geworden, dass sie eine Scheibe des Büros eingeschlagen habe und geflüchtet sei. Ihr einziger Gedanke: Ich setze mir in Hamburg den "goldenen Schuss". Doch sie sei nur 30 Kilometer weit gekommen, habe in der TG angerufen und sei von einer gewissen Ulrike abgeholt worden. Danach habe ihr die Kinder- und Jugendpsychiatrie einen Pflegeplatz verschafft: "Ich war ein psychisches Wrack." 

Wenn sie an die Zeit in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch denke, breche sie immer noch in Tränen aus, auch ihre Großmutter müsse weinen. Immer noch wolle sie "Stachowske das Handwerk legen" und ihn mit anderen Betroffenen verklagen: "Es ist an der Zeit, sich aus der Verzweiflung zu erheben." 

"Die Mutter einer Freundin hat sich erhängt, als man ihr sagte, dass sie ihr Kind nie wiedersehen werde", erzählt sie noch und hofft auf Unterstützung. Ihre mail-Adresse lautet kadikadi@web.de. Ihre Telefonnummer wird hier nicht verraten, damit gewisse Anhänger von Stachowske nicht per Rückwärtssuche ihre Adresse ermitteln, an die sie dann anonyme Briefe schicken. Wie mir geschehen.   

Sonntag, 11. Januar 2015

Meggi ist tot (II)

Einige Nachrichten von ihr bei Facebook

24. September 2014

Das ist die Masche von Herrn Stachowske. Kommt mir ja so bekannt vor. Dachte immer er zieht das nur mit den Klienten ab, nachdem er deren Rentenversicherung ausgesaugt hat und die nicht mehr zahlen, weil ja null Ergebnis in der Therapie vorzuweisen ist. Wie auch. Ist ja nicht sein Ziel, .Klienten zur Gesundheit zu verhelfen, sondern seinen Sack mit Kohle zu befüllen. Zahlt dann niemand mehr für angebliche Therapie, wird der Klient, falls er das Spiel nicht vorher durchschaut und sich auf die Flucht begeben hat, ganz einfach solange psychisch fertig gemacht, bis er endlich abbricht. So zerstört man Menschen. Die haben dann erstmal draußen zu tun, wieder ins Leben zu finden. Und dann ist das störende Gefolge dran .

Zweite Nachricht

Ich z. B. bin von vornherein als unheilbar erklärt worden und bin von.der Gruppe abgeschottet worden, weil ich angeblich die Therapie der anderen störe. Hab die ganze Zeit im Dachgeschoss verbracht und musste sein Grundstück in Schuss halten. In Unterlagen von dem Therapeuten konnte ich trotzdem schnüffeln und das war immer der Hammer, wie die Klienten dem Jugendamt oder der zahlenden Versicherung geschildert wurden.

13. Dezember 2014

Die ganze Sache darf man nicht vergessen. Der Typ ist ja noch in freier Wildbahn unterwegs. Mir hat eine Frau geschrieben. Was sie dort erlebt hat nachdem ich weg war. Hab ihr gesagt, dass sie dir das auch erzählen soll. Sie hat immer noch Angst vor Ruthardt. Obwohl das Jahre her ist. Und ihren Sohn hat sie nie wieder gesehen.

Zweite Nachricht

Ich musste mal beim Spiegel ein Interview geben und Ruthardt hat daneben gesessen, damit ich bloß nichts Falsches sage.

14. Dezember 2014

Menschen, die was im Kopf haben, damit gibt Ruthardt sich nicht so gerne ab. Er möchte eigentlich 24 Stunden am Tag nur gefeiert werden. Mir ist er fast mal an die Gurgel gegangen, weil ich es gewagt habe, ihn zum 3. Mal zu hinterfragen.

Zweite Nachricht

Mit weg gesperrt meine ich nicht irgendwo eingeschlossen. Na ja irgendwie schon. Ich durfte mit niemandem von den anderen Klienten sprechen. Musste mir mein Essen holen, wenn keiner da war. Nur der das ausgeben hat. Musste es auf einen Zettel schreiben. Alles war genau für eine Woche eingeteilt. Tagsüber war ich im Garten. Zäune steichen , Rinden mulch auffahren in seine Beete oder mit dem Messer Unkraut zwischen den Steinen weg machen usw. Therapie hab ich da nie gemacht. Nur gearbeitet .Hab ich ihn mal angesprochen, hat er gesagt halt die schnauze und ist weiter gegangen. Ich wäre so kaputt, dass ich froh sein kann noch zu atmen. Eine körperliche Müllhalde hat er gesagt. Ach da gibt es so viel. ...und nur weil er "dachte", dass ich ihm seine andere Klienten versaue, die alles so gemacht haben wie er wollte. Damit meine ich sich gegenseitig zu bespitzeln. Wer genug Anscheißermaterial hatte, stand ganz oben. Ich könnte eigentlich auch mal ein Buch schreiben.

Sonntag, 5. Januar 2014

Kind weint

Die Mutter wird isoliert

“Wir sind bereit.” Diese Drohung ist vor über zwei Jahren an Kritiker der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg gerichtet worden. Eingerichtet wurde dafür im Internet ein anonymes blog. Ich berichtete darüber im Netz. Nach der Entlassung von Matthias Lange (heute Wilhelmshavener Kinderhilfe) als Geschäftsführer übernahm Gisela van der Heijden die Geschäfte, sie ist heute Geschäftsführerin des Bayerischen Roten Kreuzes Erding. Vor einigen Wochen schaltete sie eine Organisation ein, die von mir eine Löschung meines Beitrags über diese Drohung verlangte. Warum sie das tat, verriet sie mir auch nach einer schriftlichen Anfrage nicht. Ich habe den Beitrag nicht gelöscht. Er wird weiter gelesen und mit Kommentaren versehen.
Jetzt hat sich eine Ex-Klientin gemeldet, die 2005 in Lüneburg war. Auch sie berichtet, dass sie von ihrem Kind getrennt worden sei, das deshalb weinte. Darum habe sie die Einrichtung wieder verlassen wollen. Sie sei freiwillig dort gewesen. Dann ist ihren Schilderungen zufolge geschehen, was vielen Müttern geschah: Sie wurde unter Druck gesetzt und von den anderen isoliert.

Mittwoch, 6. November 2013

Die Haasenburg

Und die Therapeutische Gemeinschaft Wilschenbruch

4. November 2013. Zwei Mädchen leben in einem Heim in Brandenburg, sie wollen fliehen und die Öffentlichkeit über die Missstände informieren. Wir schreiben das Jahr 2008. Vor diesem Fluchtversuch kommt eines der beiden Mädchen ums Leben. Es fällt beim Fensterputzen aus dem dritten Stock. Das Heim spricht von Selbstmord. Die Freundin sagt: "Sie hat sich nicht selbst umgebracht." Wir sind in der Haasenburg in Jessern, die in diesen Tagen Schlagzeilen macht. Die Staatsanwaltschaft von Cottbus ermittelt in über 50 Fällen. Heimkinder berichten über Misshandlungen, über Fixierung und Isolation nach Fluchtversuchen.

Die Haasenburg GmbH hat drei Einrichtungen in Brandenburg. Die in Jessern ist inzwischen geschlossen, für Müncheberg gibt es einen Belegungsstopp, nur Neuendorf darf noch Kinder aufnehmen. Die brandenburgische Ministerin Martina Münch (SPD) hat eine Untersuchungskommission eingesetzt. Die Unterbringung in geschlossenen Einrichtungen wird auf den Prüfstand gestellt.

Kyra K. (Name geändert) ist von 2007 bis 2009 in Jessern gewesen und war die Freundin des Mädchens, das aus dem dritten Stock gefallen ist. Dann kommt sie in die angeblich familienorientierte Therapeutische Gemeinschaft Wilschenbruch (TG) und bringt dort 2010 einen Jungen zur Welt, der ihr nach drei Wochen vom damaligen TG-Leiter Ruthard Stachowske weggenommen wird. Begründung: "Du bist eine schlechte Mutter und eine Strafe für dein Kind." Bis heute darf sie ihr Kind nicht sehen. Kyra K. kämpft um ein Wiedersehen mit ihrem Jungen.

Die 22-Jährige fordert eine rückhaltlose Aufklärung der Missstände in der Haasenburg, sie hat mehrere Verbündete, zur Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch sagt sie: "Die Therapeuten, die ich dort erlebt habe, sind schlimm." Dass Stachowske immer noch für die Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg als TG-Trägerin arbeitet, kann sie nicht glauben.

52 Kinder und Jugendliche aus Hamburg sind seit 2008 in den Haasenburg-Einrichtungen gewesen. Die Bürgerschaft beschäftigt sich mit dem Thema. Doch ein 16-Jähriger beklagt sich darüber, dass seine Akte nicht an das Parlament weitergeleitet wird, obwohl er zugestimmt habe. Er sagt: "Mein Amtsvormund verhindert das."

6. November 2013
Haasenburg wird geschlossen

Ministerin Martina Münch verkündet in diesen Minuten die Schließung der Haasenburg-Einrichtungen.

Mehr auf "Spiegel online"

Dienstag, 8. Februar 2011

Nach Indien

8. Februar 2011
Kommen Konsequenzgelder geflogen?

"Wo die Konsequenzgelder geblieben sind, weiß niemand, weil Stachowske uns immer gesagt hat, dass diese nach Indien geflogen sind." Berichtet mir heute ein weiterer Ehemaliger.

In der Therapeutischen Gemeinschaft (TG) Wilschenbruch gibt es einen Strafenkatalog - erzählen viele: Isolation von der Gruppe, stundenlang auf einem Stuhl sitzen, Wochenendarbeit für Kinder. Fällt Schnee, eilen zwei Klienten zum Privatgrundstück von Stachowske und schieben die weiße Pracht beiseite.

Konsequenzgelder dagegen gehen direkt an die Taschengeldbörse der Klienten. Abgeschafft worden sind sie vor einigen Monaten, weil die Kritik zu laut geworden war. Da musste jemand 150 Euro bezahlen, weil er die Heizung nicht abgedreht hatte, 100 Euro waren für eine verschmutzte Matratze fällig, 25 Euro für fünf Minuten vor der vorgeschriebenen Rauchpause zur Zigarette greifen.

Und dieses Geld ist laut aktuellem Erfahrungsbericht und somit Ruthard Stachowske nach Indien geflogen? Fest steht: Der Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch ist Geschäftsführer eines Vereins, der dort Hilfe leistet. Vorsitzende ist ein TG-Teammitglied, das auch noch zum Institut von Ruthard Stachowske gehört. Reisebericht erstattet ein Arzt, der sich um die Klientinnen und Klienten in Wilschenbruch kümmert.

Man scheint also gern unter sich zu sein - sogar bei einer Renovierung im Jahre 2009. Bei einer Firma wurde zwar ein Kostenvoranschlag für diese Arbeiten eingeholt, doch fleißiger als die Handwerker waren die Klienten, die - so der Ehemalige - bis morgens um 4 Uhr sanierten, was zu sanieren war. Darüber soll die Firma nicht sehr erfreut gewesen sein.

Wer so lange arbeitet, fällt todmüde ins Bett. Vielleicht auch jene Frau und jener Mann, die zwar das Zimmer gar nicht teilen wollten, aber sollten. Doch damit nicht genug, erzählt jener Ehemalige: "Die beiden durften nicht miteinander sprechen. Für die Kommunikation bekamen sie einen Zettel und einen Stift." Stift und Zettel waren demnach am nächsten Morgen beim Team abzugeben.

Stille Post nach Art des Hauses?

Dienstag, 30. November 2010

TG Wilschbruch vor Gericht (IV)

12. November 2010
Richter nicht aufwerten

Das haben wir nun vom Landgericht Hamburg auch schriftlich: Es bleibt bei der einstweiligen Verfügung vom 20. April 2010. Ich darf also weiterhin einen Beschluss des Landgerichtes Hamburg samt kritischer Anmerkung nicht veröffentlichen. Bei der Widerspruchsverhandlung hat mein Anwalt die Herausgabe des Konsequenzgelderbuches der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch (TG) beantragt. Konsequenzgelder bedeuten: Klientinnen und Klienten zahlen für so genanntes Fehlverhalten. Dass es diese Konsequenzgelder gegeben hat, bestritt der TG-Anwalt am 20. April 2010 nicht einmal. Sie wurden  inzwischen abgeschafft.

Auch den Antrag auf Herausgabe des Konsequenzgelderbuches hat der Vorsitzende Richter Schulz ignoriert. Nun könnten wir Berufung einlegen. Will ich aber nicht. Ich möchte diesen Richter nicht aufwerten. Der hat schließlich am 20. April 2010 unsere Zeuginnen und Zeugen nicht nur im Gerichtssaal bewachen lassen, der hat sie auch nicht angehört. Zu den Bewachten gehörte eine Mutter, die als Klientin der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch vier Monate lang von der Gruppe isoliert worden ist.

Ihr Tagebuch

Dienstag, 2. Februar 2010

Das Tagebuch I

26. Januar 2010
Für jeden Tag ein Kreuz auf ein Kalenderblatt

114 schreibt Simone B. auf ein Kalenderblatt. Mit Kugelschreiber. Blau. Das Kalenderblatt trägt das Datum 17. Juni 2004. Die Sonne ist um 5.05 Uhr aufgegangen, um 21.41 Uhr geht sie unter. Simone B. ist seit fast vier Monaten in einer Außenwohnung der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch. Schreibt zwei Tage später in ihr Tagebuch: „Heute ist Samstag, und es ist total beschissen. Ich habe das Gefühl, ich lasse Merlin in Stich. Aber was soll ich machen?“ Merlin ist der Sohn von Simone B. Vier Jahre alt. Sie darf ihn nicht sehen. Sie ist seit 114 Tagen in „Klausur“, verabschiedet sich von jedem Tag mit einem Kreuz auf einem Kalenderblatt. „Klausur“ nennt der Leiter der Einrichtung die Isolation von Patienten.


Fast sechs Jahre später sagt Simone B.: „Obwohl alles schon so lange her ist, muss ich immer wieder an diese Zeit denken. Ich bin zwar clean, aber die Zeit in Wilschenbruch hat auch einiges in der Seele kaputt gemacht.“ Daran können nach ihrem elfmonatigen Aufenthalt in der Einrichtung auch Psychologen nichts ändern. Ihre große Stütze ist eine Frau, die ebenfalls in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch gewesen ist: „Wenn ich bei ihr bin, reden wir viel über früher. Ich bin dann froh, dass ich einen Menschen habe, der das auch durchgemacht hat.“

Viermal ist sie in Wilschenbruch in „Klausur“ geschickt worden. Das erste Mal nach drei Wochen. Nach einem Kuss für einen Patienten. „Ihr hattet Sex“, behauptet das Team. „Hatten wir nicht“, sagt Simone B. heute noch. Sie wird von Merlin getrennt, muss den Tag unter einer Treppe verbringen und „über ihre Fehler nachdenken“. Noch schlimmer ist für sie die Trennung von ihrem Sohn: „Immer hatte ich Angst, habe gedacht, ich mache das alles nur für ihn.“

Teil 2