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Freitag, 13. Juli 2012

Ritalin (II)

Sucht und Gewalt - in Familien und gegen Kinder

Irgendwo in Deutschland, wahrscheinlich in der Volkshochschule Bremen, hat der Sozialpädagoge Ruthard Stachowske am 6. Juli 2012 einen Vortrag über "Sucht und Gewalt - in Familien und gegen Kinder" gehalten. Das Muster ist immer das Gleiche, erst werden die Kinder aufgezählt, die in Familien auf gewaltsame oder fahrlässige Weise ums Leben gekommen sind, obwohl die Väter, Mütter oder Eltern als Drogenkranke von Jugendämtern und anderen sozialen Einrichtungen betreut worden sind, dann folgt Tabelle auf Tabelle mit Gewalttaten, Störungen und Krankheiten, denen Suchtstoffe zugeordnet werden, abschließend wird eine neue Drogenpolitik gefordert, wobei Stachowske angeblich auf Schuldzuweisungen verzichtet, obwohl sein Referate als Anklage aufgefasst werden können.

Den Tabellen, die dieser Sozialpädagoge präsentiert, könnte jede und jeder beliebig viele andere entgegenhalten, denn wenn es um die Frage geht, mit wem, wie, wo und wann diese Erkenntnisse gewonnen worden sind, flüchtet sich Stachowske in die Formulierung "wir haben". Damit meint er offensichtlich sein Institut für mehrgenerationale Forschung und Therapie (IMFT), das jüngst in die Heiligengeiststraße von Lüneburg umgezogen ist. Die Hausnummer scheint ihm noch nicht geläufig zu sein. In seinem Vortrag vom 6. Juli 2012 gibt er die Hausnummer 9 an, auf seinen Internetseiten die 41.

In Mainz habe ich bei Elisabeth Noelle-Neumann als damalige Chefin des Allensbach-Institutes viele Statistik-Seminare besucht, gewarnt wurden wir vor Fehlern bei der Entwicklung einer Studie, bei der Erhebung und Auswertung von Zahlenmaterial, bei der Formulierung von Fragen, die stets mit Kontrollfragen abgesichert werden müssen, und vor voreiligen, eindimensionalen Schlussfolgerungen wie Kind erlebt Gewalt und wendet deshalb selbst Gewalt an. Wir pflückten wissenschaftliche Untersuchungen auseinander, bis von ihnen nichts mehr übrig blieb. Was uns aber nicht möglich gewesen wäre, wenn wir nicht gewusst hätten, wann, wo, wie und in wessen Auftrag eine Studie entstanden ist.

Beim Studium der Versuchsanordnungen stießen wir auf handwerkliche Fehler, auf mangelhafte Ausshlussverfahren und auf Zufallskorrelationen, die eine Untersuchung wertlos machten. Manchmal gab es auch keine Kontrollgruppe, die den gleichen Anforderungen genügte wie die Gruppe, die Untersuchugsgegenstand war.

Auch am 6. Juli 2012 hat Stachowske seine Zuhörerinnen und Zuhörer jeder Möglichkeit einer kritischen Betrachtung beraubt. Hinzu kommt, dass dieser Sozialpädagoge bis Anfang Juli 2011 unter dem Dach der Sucht- und Jugendhilfe die Therapeutische Gemeinschaft Wilschenbruch geleitet hat und dort unzähligen Erfahrungsberichten zufolge selbst Gewalt ausübte. Die Zahl der Therapeuten, die seine Ex-Klientinnen und Ex-Klienten behandeln müssen, steigt immer noch. Die Ursachen dafür sind sicherlich vielschichtiger als die ebenfalls nur eindimensionale These "Stachowske ist an allem Schuld".

Mittwoch, 10. August 2011

Die Reform

10. August 2011
In einer Einrichtung im Belauerungszustand

"Referenten: Heidrun Girrulat, Dr. Ruthard Stachowske, Dr. Rudolf Kaufmann." Steht auf den Internet-Seiten der Volkshochschule von Bremen. Seit geraumer Zeit.

Darum geht es: "Systemische Familienberatung nach Rudolf Kaufmann

Kompetenzerweiterung für die Arbeit mit Familien

Eine berufsbegleitende Fortbildung für alle, die in sozialen Arbeitsfeldern mit Familien oder Teilfamilien zu tun haben."

Die Teilnahmegebühr beträgt 1 650 Euro. Geplant sind sechs Seminare. Los geht es am 2. März 2012. Verlinkt ist diese Veranstaltungsankündigung mit den Internetseiten des Institutes von Ruthard Stachowske, der sich am 27. Oktober 2011 vor dem Arbeitsgericht in Lüneburg gegen seine fristlose Entlassung als Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch (TG) wehrt.

Heidrun Girrulat muss sich nicht arbeitsrechtlich wehren. Die ist weiterhin in der TG, war dort Stellvertreterin von Stachowske. Hält sozusagen die Stellung. Wird wohl als ahnungs- und somit schuldlos eingestuft. Von der Jugendhilfe Lüneburg als Trägerin der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch.

Bescheinigen muss man Stachowske und Girrulat: Mit Teilfamilien haben die Erfahrung. Sie haben in der TG so manche Familie geteilt. Aber was man Stachowske zum Vorwurf machen muss, muss man nicht unbedingt seiner Stellvertreterin ebenfalls vorwerfen?

Nun wissen aber auch alle Eingeweihten: Der Belauerungszustand hat begonnen, wobei Stachowske den Vorzug besitzt, dass seine Teil-Familien-Expertin noch an der Quelle sitzt und sich dort viele Informationen angeln kann, die für ihren ehemaligen Chef wichtig sein könnten.

Macht sie nicht? Die ist loyal? Die hält zur Jugendhilfe Lüneburg? Die stellt sich jetzt ihrer Verantwortung und geht als Verantwortungsstellerin systemisch in Sack und Asche? Wer´s glaubt...Dann hätte die sich inzwischen als Referentin von der Veranstaltung an der Volkshochschule von Bremen verabschiedet.

Heidrun Girrulat will aber ihr Netzwerk nicht zerfleddern. Zu dem gehören ihren eigenen Internetseiten zufolge sowohl die Volkshochschule in Bremen als auch das Institut von Ruthard Stachowske, der dort auch Rudolf Kaufmann zu seinem Team zählt.

Den Belauerungszustand dominiert offenbar Stachowske. Da sich zudem in der TG nicht viel ändert, nennt man das Reform im heutigen Sinne...