...flog über das Kuckucksnest
Gestern Vormittag hat mich eine Anruferin auf angebliche Missstände in einer Nervenheilanstalt in Schleswig-Holstein hingewiesen. Keine zehn Minuten später rief mich aus dieser Einrichtung eine Patientin an. Dafür benutzte sie ihr Handy. Sie erzählte mir, dass sie immer wieder Zoff mit ihrer Zimmergenossin habe, deshalb liefere man sich so manche Schlägerei. Nun habe sie Angst, dass sie irgendwo weggesperrt werde.
Was ich unverständlich fände. Solche Leute laufen eigentlich zuhauf frei herum. Nur in den Boxring steigen sie nicht. Deswegen findet Vitali Klitschko auch keine Gegner mehr. Gestern hat er in Moskau jemanden verprügelt, der auch in jedem Bierzelt bei einer Jahrmarkts-Gaudi verloren hätte. Vorher besang Klitschkos Frau die "Power of love". Das tat sie derart vorzüglich, dass ihr Auftritt nicht so recht zu dem anschließenden einseitigen Geschehen passen wollte. Das in der vierten Runde beendet wurde, weil der Mensch gewordene Sandsack aus Köln inzwischen aussah, als sei er von einem Zug erfasst worden.
Von einem Zug erfasst wird gerade auch die Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Die soll von Parteifreunden ihres Mannes verleumdet worden sein, weil sie nicht nur mit dem Wulff tanzte, sondern ihn auch noch heiratete. Nun sind sich die Medien einig, dass sie Bettina Wulff verteidigen wollen, indem sie ein Gerücht so lange verbreiten, bis alle davon gehört haben. Eine wirkungsvollere Methode, jemanden ins Gerede zu bringen, gibt es nicht. Es darf immer etwas mehr Jauch(e) sein. Die schon bis nach Großburgwedel stinkt, wo sich Bettina Wulff inzwischen fragen sollte, warum sie mit ihrem Vorgehen schlafende Medien-Hunde geweckt hat. Jetzt hofft Jauchs Anwalt, der zwar Schertz heißt, mit dem aber nicht zu scherzen ist, dass die Frau des Ex-Bundespräsidenten vor dem Hamburger Landgericht auch noch ein Anerkenntnisurteil anstrebt. Dann zöge sich die Geschichte hin und die niedersächsische SPD hätte endlich ein Wahlkampfthema. Das dann auch wieder in den Medien stünde.
Die Heuchler sind immer und überall. Aber nicht als Patienten in Nervenheilanstalten. Was allerdings auch nicht immer förderlich wäre, denn es soll Einrichtungen geben, in denen das Führungspersonal kranker ist als die Patienten. Die erfolgreichsten Nervenheilanstalten bleiben jedoch die Parteien. Die produzieren ihre Kranken selbst. Dazu gehören will möglichst schnell auch die Piraten-Partei. Deshalb twittert eine Abgeordnete ihr Sexualleben, sitzen Piraten in Talkshows oder treiben sich in Foren herum, um zu erklären, wie man sich gegenseitig fertig macht, damit das Wahlprogramm nie fertig wird.
Ist Psycho-Krieg. Hat jemand eine eigene Idee, schießt man sich verbal auf ihn ein. Bis er aussieht, wie gestern der Mensch gewordene Sandsack aus Köln...
"Hier endet euer Prinzip der Hoffnung" (Ruthard Stachowske) Die Therapeutische Gemeinschaft Wilschenbruch ist 2014 geschlossen worden.
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Sonntag, 9. September 2012
Montag, 27. Februar 2012
Chantal
27. Februar 2012
Warum versagt das Kinder- und Jugendhilfesystem?
"Hilfeschreie, die niemand hört..." Soll es nach dem Tod der elfjährigen Chantal aus Hamburg nicht mehr geben. Deswegen hat Günther Jauch gestern Abend einen Journalisten, einen Bezirksbürgermeister, eine Jugendamtsmitarbeiterin, eine Super-Nanny und einen ehemaligen Jugendhilfeausschuss-Vorsitzenden zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Letzterer stellte fast schon resigniert fest, nach dem Tod des ersten Kindes habe man das Hilfesystem umgebaut, den Tod eines zweiten Kindes damit aber nicht verhindert. Fehlte in der Runde der Vertreter eines Systems, das erfolgreich ist. Die gibt es. Auch für Familien mit Drogenproblemen. Gelernt haben müsste man längst: Neuorganisation verpufft, wenn an unfähigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern festgehalten wird.
Schon sind wir bei der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch. Die meisten Kritikerinnen und Kritiker der Einrichtung sind immer noch auf Ruthard Stachowske fixiert. Der ist weg. Kommt nicht wieder. Aber immer noch bekomme ich Anrufe von aktuell Betroffenen, die auf die Frage, wie gut sie die neue Geschäftsführerin der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg und den neuen Leiter der Einrichtung kennen, mit Achselzucken reagieren. Nenne ich die Namen anderer Betroffener, sind die den Anruferinnen und Anrufern völlig unbekannt. Wer aber nicht weiß, dass es anderen auch nicht viel besser ergeht, kann sich auch nicht gemeinsam mit anderen wehren.
In Schulen gibt es Elternbeiräte und Elternabende, in Kindergärten kennt man sich, in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch läuft man offenbar aneinander vorbei. Wer nun glaubt, die Chefetage würde das ändern, täuscht sich wohl. Gefragt sind der Gesetzgeber und die Aufsichtsbehörden. Als gGmbH genießt die Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg Vorteile, in einer angeblich familienorientierten Einrichtung wie der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch müsste es ganz anders zugehen als immer noch.
Ergo: In allen Kinderheimen und Einrichtungen, die sich um das so genannte "Kindeswohl" kümmern, müssten regelmäßige Treffen aller Betroffenen und die Bildung eines Beirates aus Betroffenen, der bei aktuellen Problemen sofort eingeschaltet werden muss, Vorschrift sein. An alle vier Wochen ein Besuch kann ich nichts Familienorientiertes finden, es sei denn, man reduziert den Begriff Familie auf diejenigen, die in der Einrichtung sind.
Das Argument, man müsse ungestört arbeiten können und das gehe nur, wenn Familienmitglieder nur nach Absprache in der Einrichtung auftauchen, ist fadenscheinig. Das könnte auch jedes Krankenhaus und jedes Alten- und Pflegeheim behaupten. Machen die aber nicht. Meine Mutter ist in einem Pflegeheim. In diesem Heim gibt es ein öffentliches Restaurant und Zimmer für Touristen. Nun sage man mir bloß noch, dass die Pflege von Alzheimer-Patienten weniger schwer sei als die Hilfe für Mütter und Väter mit Drogenproblemen...
Gäbe es in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch einen Beirat, hätte sie sofort ein Problem. Denn alle Betroffenen, die sich bei mir melden, finden für zwei Mitarbeiterinnen der Einrichtung die gleichen Adjektive. Die sind wenig schmeichelhaft. Liest man mir vor, was eine dieser beiden Mitarbeiterinnen an Behörden schreibt, dann fällt mir ein: Das hat sie auch schon über andere Mütter und Kinder behauptet. Bei Drogenkranken muss man nicht differenzieren? Kann das eine Sozialpädagogin überhaupt?
Mindestens ebenso schlimm ist: Vorwürfe, die zu Zeiten von Ruthard Stachowske erhoben worden sind, werden weder von der neuen Geschäftsführerin der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg noch von dem neuen Leiter der Therapeutsichen Gemeinschaft Wilschenbruch auf den Prüfstand gestellt. Sie pflanzen sich einfach fort. Wie - im wahrsten Sinn des Wortes - Unkraut...
Warum versagt das Kinder- und Jugendhilfesystem?
"Hilfeschreie, die niemand hört..." Soll es nach dem Tod der elfjährigen Chantal aus Hamburg nicht mehr geben. Deswegen hat Günther Jauch gestern Abend einen Journalisten, einen Bezirksbürgermeister, eine Jugendamtsmitarbeiterin, eine Super-Nanny und einen ehemaligen Jugendhilfeausschuss-Vorsitzenden zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Letzterer stellte fast schon resigniert fest, nach dem Tod des ersten Kindes habe man das Hilfesystem umgebaut, den Tod eines zweiten Kindes damit aber nicht verhindert. Fehlte in der Runde der Vertreter eines Systems, das erfolgreich ist. Die gibt es. Auch für Familien mit Drogenproblemen. Gelernt haben müsste man längst: Neuorganisation verpufft, wenn an unfähigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern festgehalten wird.
Schon sind wir bei der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch. Die meisten Kritikerinnen und Kritiker der Einrichtung sind immer noch auf Ruthard Stachowske fixiert. Der ist weg. Kommt nicht wieder. Aber immer noch bekomme ich Anrufe von aktuell Betroffenen, die auf die Frage, wie gut sie die neue Geschäftsführerin der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg und den neuen Leiter der Einrichtung kennen, mit Achselzucken reagieren. Nenne ich die Namen anderer Betroffener, sind die den Anruferinnen und Anrufern völlig unbekannt. Wer aber nicht weiß, dass es anderen auch nicht viel besser ergeht, kann sich auch nicht gemeinsam mit anderen wehren.
In Schulen gibt es Elternbeiräte und Elternabende, in Kindergärten kennt man sich, in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch läuft man offenbar aneinander vorbei. Wer nun glaubt, die Chefetage würde das ändern, täuscht sich wohl. Gefragt sind der Gesetzgeber und die Aufsichtsbehörden. Als gGmbH genießt die Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg Vorteile, in einer angeblich familienorientierten Einrichtung wie der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch müsste es ganz anders zugehen als immer noch.
Ergo: In allen Kinderheimen und Einrichtungen, die sich um das so genannte "Kindeswohl" kümmern, müssten regelmäßige Treffen aller Betroffenen und die Bildung eines Beirates aus Betroffenen, der bei aktuellen Problemen sofort eingeschaltet werden muss, Vorschrift sein. An alle vier Wochen ein Besuch kann ich nichts Familienorientiertes finden, es sei denn, man reduziert den Begriff Familie auf diejenigen, die in der Einrichtung sind.
Das Argument, man müsse ungestört arbeiten können und das gehe nur, wenn Familienmitglieder nur nach Absprache in der Einrichtung auftauchen, ist fadenscheinig. Das könnte auch jedes Krankenhaus und jedes Alten- und Pflegeheim behaupten. Machen die aber nicht. Meine Mutter ist in einem Pflegeheim. In diesem Heim gibt es ein öffentliches Restaurant und Zimmer für Touristen. Nun sage man mir bloß noch, dass die Pflege von Alzheimer-Patienten weniger schwer sei als die Hilfe für Mütter und Väter mit Drogenproblemen...
Gäbe es in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch einen Beirat, hätte sie sofort ein Problem. Denn alle Betroffenen, die sich bei mir melden, finden für zwei Mitarbeiterinnen der Einrichtung die gleichen Adjektive. Die sind wenig schmeichelhaft. Liest man mir vor, was eine dieser beiden Mitarbeiterinnen an Behörden schreibt, dann fällt mir ein: Das hat sie auch schon über andere Mütter und Kinder behauptet. Bei Drogenkranken muss man nicht differenzieren? Kann das eine Sozialpädagogin überhaupt?
Mindestens ebenso schlimm ist: Vorwürfe, die zu Zeiten von Ruthard Stachowske erhoben worden sind, werden weder von der neuen Geschäftsführerin der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg noch von dem neuen Leiter der Therapeutsichen Gemeinschaft Wilschenbruch auf den Prüfstand gestellt. Sie pflanzen sich einfach fort. Wie - im wahrsten Sinn des Wortes - Unkraut...
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