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Dienstag, 16. Oktober 2012

Ruf dahin?

"Der dreckige Sumpf" ist der Titel eines Bestsellers aus dem Jahre 1983, der in Wilhelmshaven für viel Wirbel gesorgt hat und wohl unvergessen bleibt. Erwähnt wird er in einem Kommentar, in dem es um den Ruf der Erzieherin geht, die von der Wilhelmshavener Kinderhilfe (WiKi) wieder eingestellt werden musste und seither von WiKi-Geschäftsführer Matthias Lange gemobbt werden soll. Der Ruf der Erzieherin sei dahin.

Das muss nicht so sein. Dazu muss man den WiKi-Betroffenen nur klar machen, wer Matthias Lange ist. Als Geschäftsführer der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg deckte er den Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch, der ebenfalls der Meinung war, dass er sich um Gerichtsentscheidungen nur kümmern müsse, wenn sie ihm zupass kamen. Er schwieg, wenn Mütter "in Klausur" mussten. Bedeutete: Die Mutter wurde in der Einrichtung isoliert, durfte nicht mal ihre Kinder grüßen. Ich habe eine Mutter kennengelernt, die in der Einzelhaft Tagebuch führte, fast die gesamte Zeit ihres Aufenthaltes verbrachte sie allein in einem Zimmer. Sie hat inzwischen ein zweites Kind und wird gelegentlich von Alpträumen geplagt.  Matthias Lange schwieg, wenn Teammitglieder psychisch fertig gemacht wurden. Ich habe mitgehört, wie der Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch eine Mitarbeiterin terrorisierte, weil sie sich krank gemeldet und in Therapie begeben hatte.

Matthias Lange war auch immer in der ersten Reihe, wenn ich vor dem Landgericht in Hamburg verklagt wurde. Allerdings trauten sich Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg und der Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch keine gerichtlichen Schritte gegen die Veröffentlichung der soeben beschriebenen Skandale zu. Dazu sagten sie nichts, sie versuchten es lieber hinten herum.  Aber auch der Versuch, mich unglaubwürdig zu machen, scheiterte geradezu jämmerlich, weil ich jede Lüge, die über mich verbreitet wurde, veröffentlichte.

Dass viele meinen, Missstände gäbe es nur in ihrer Stadt, ist ein Phänomen, das mir überall begegnet ist. Ob ich nun in Mainz, in Hannover, in  Hamburg oder in Luzern lebte, immer hieß es: "Das ist doch wieder mal typisch." Allerdings ist in Wilhelmshaven manches einzigartig. Das habe ich zuletzt bei meiner Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt erlebt. Damals beschwerte sich eine Wählerin bei der "Wilhelmshavener Zeitung" darüber, dass meine Vorstellungen in der Lokalzeitung nie erwähnt wurden. Sie unterstützte mich mit ihrer Unterschrift - die verschwand im Wahlamt und wurde erst wiedergefunden, als ich protestiert hatte.

Über diesen Wahlkampf habe ich eine Broschüre veröffentlicht. Sie heißt "Wahl spezial - Gelebte Demokratie an der Jade".

Jetzt aber geht es um gelebte Solidarität. Die ist wichtig. Wichtig ist auch, mit Störmanövern zu rechnen, die nicht unbedingt nur von einer Seite kommen müssen...

+++Kinder und Eltern bilden gerade eine Telefonkette, freuen sich ein Loch in den Bauch. Der WiKi-Vorstand hat versichert, dass die Erzieherin Montag ihren Dienst wieder antreten kann - unbehelligt von Matthias Lange. Den fröhlichen Kindern empfehle ich ein Bilderbuch, das ich mit einer Siebenjährigen veröffentlicht habe: "Wenn Zahlen einen Kopfstand machen"+++

"Lübecker Nachrichten", 15. April 2012













Siehe auch

+++Eine halbe Stunde später: Eine zweite WiKi-Mutter ruft mich an, ist erschüttert, bekam soeben eine Stellungnahme, die der WiKi-Geschäftsführer Matthias Lange am Donnerstag an alle Eltern verschicken will. Darin erhebt er Vorwürfe gegen die Erzieherin, die bislang von niemandem bestätigt worden sind, und die nach seiner Auffassung vom Arbeitsgericht von Wilhelmshaven "nicht ausreichend" gewürdigt worden seien. Die Anruferin sagt: "Das ist Verleumdung und die Erzieherin kann gar nicht ab Montag in Ruhe arbeiten." Dem Vorstand habe sie deswegen bereits auf Band gesprochen. Der Psychoterror werde von Matthias Lange fortgesetzt, der Mann müsse weg.+++

+++Die Erzieherin hat die Verschickung des Schreibens von Matthias Lange per Unterlassungserklärung gestoppt.

Verleumdung

Montag, 13. August 2012

Besuch aus Russland

Dozent Christoph Kusche zeigt es Russinnen: So sozial ist Lüneburg

Acht Frauen aus Russland sind in Lüneburg und drumherum unterwegs gewesen. Denn die Heide steht in voller Blüte? Deswegen kamen diese Sozialarbeiterinnen nicht. Sie wollten erfahren, wie sozial Lüneburg ist. Ist sehr sozial, versicherte Christoph Kusche, Dozent an der Leuphena Universität, der das Projekt "Familienarbeit: Methoden und Konzepte" leitete. Das sollten die acht Frauen aus Russland auch am eigenen Leibe erfahren. Deswegen machten sie bei der Sucht- und Jugendhilfe gGmbH den Praxistest.

In dieser Einrichtung ist einiges wie in Russland, so dass sich diese Sozialarbeiterinnen schnell wie zuhause fühlten. Als sie erfuhren, dass die Musikerinnen der Punkband Pussy Riot Angst davor haben, Putin könne ihnen die Kinder wegnehmen lassen, besichtigten sie gerade in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch die Zimmer, in denen Mütter von ihrem Nachwuchs getrennt worden waren. Damit diese beim Sorgerechtsentzug nicht allzu störend wirkten. Was man auch in Russland keinesfalls Einzelhaft nennen würde, so lange sich Putin und Medwedew im Amt abwechseln.

Da Putin zumindest nach Auffassung eines ehemaligen Bundeskanzlers ein "lupenreiner Demokrat" ist, versicherte Christoph Kusche den Russinnen sogleich, dass für die Sucht- und Jugendhilfe gGmbH aussschließlich "lupenreine Experten" arbeiten, deren Zahl man jedoch derzeit nicht so genau benennen könne, weil immer wieder ein paar verschwinden. Weil dies aber auch für Klientinnen gelte, gleiche sich das stets wieder aus - so dass durchaus von einem "stabilen System" gesprochen werden könne, so lange alle schön den Mund halten, wie gerade eine ehemalige Geschäftsführerin, die auch noch nicht so lange weg ist, wie sie für die Sucht- und Jugendhilfe gGmbH gearbeitet und sich täglich hinter den Kulissen beklagt hat.

Dann sagte Christoph Kusche auch noch: "Durch Diskussionen mit den Mitarbeitern können sich die russischen Teilnehmerinnen für die Umsetzung kreativer Ideen inspirieren lassen." Denn die müssen nicht immer aus dem Kreml kommen, so lange Russinnen in Lüneburg eine Einrichtung besuchen, in der sie sich wie in Russland vorkommen...So sozial ist Lüneburg. Christoph Kusche hat es allen gezeigt. Deshalb bleibt er auch Dozent an der Leuphena Universität.