Posts mit dem Label Angst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Angst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 25. Februar 2019

Kommentare 2019

Gefunden auf Artikelmagazin.
Nach Jahren noch
Angst vor dem Mobbing-Netz
Hier klicken

Vor 20 Jahren in der Therapeutischen Gemeinschaft
Marc möchte Verantwortlichen sprechen
Hier klicken 

Montag, 27. August 2012

Die "Lebenshilfe-Szene"


Splittet sich immer mehr auf

"Für Stefan Barthel von der Berliner Sekten-Leitstelle ist dies nur ein Beispiel dafür, dass Scharlatane zunehmend im Verborgenen – oft im privaten Rahmen – arbeiten. "Seit vier, fünf Jahren gibt es das Phänomen, dass sich die sogenannte Lebenshilfeszene stark splittet und große klassische Sekten langsam verschwinden", weiß Barthel. Solange diese Gruppen sich nicht strafbar machten, könnten sie nur schwer bekämpft und nicht namentlich genannt werden, sagt Barthel." Schreibt die "Berliner Zeitung".

Zu den "großen klassischen Sekten" wird in diesem Artikel auch die Scientology Church gezählt, die jedoch in Deutschland nie sonderlich groß gewesen ist, sondern groß spekuliert wurde, bis die Mitgliederzahl angeblich bei 300 000 lag. So sicherte beispielsweise eine Verbraucherschützerin aus dem Raum München die hohen Auflagen ihrer Bücher, die werbewirksam nachts in die Buchhandlungen gebracht wurden. Mit Hysterie hat man schon häufiger genauso viel Geld verdient, wie mit Sekten- und Esoterik-Humbug.

In Krisenzeiten klammern sich Menschen auch an den letzten Strohhalm und reagieren mit ihren Gurus blindwütig-verzweifelt auf Warnungen. Scharlatane werden reich, können sich deshalb teure Anwälte leisten, die Kritiker mundtot machen. Ein Jurist aus Münster kann davon ein garstig Lied singen, das ich hier nicht einmal verlinken darf, wenn ich nicht Gefahr laufen will, ebenfalls verklagt zu werden.

Das wäre auch aus einem zweiten Grund gefährlich. Der heißt: Feigheit der Kritiker. Unzählige Weltansschauungsbeauftragte der evangelischen Kirche haben sich vor Jahren hinter einer Äußerung von Norbert Blüm verschanzt, der die Scientology Church als "kriminelle Organisation" einstufte. Schon zogen sie mit der Formulierung los: "Die nach Auffassung von Norbert Blüm ´kriminelle Organisation´..." Eine eigene Meinung schienen sie nicht zu haben.

Auf die verzichtete auch der Weltanschauungsbeauftragte von Hannover, als mich die Neuapostolische Kirche 1988 wegen eines Interviews mit dem Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen angezeigt hatte. Obenauf war der erst wieder, als die Staatsanwaltschaft von Hannover das Ermittlungsverfahren eingestellt hatte, weil meine Kritik berechtigt sei. Diesen Beschluss kopierte dieser Weltanschauungsbeauftragte und verschickte ihn an seine Kolleginnen und Kollegen. Verteidigt hatte ich mich alleine - ohne jede offizielle Hilfe von evangelischer Seite. Dafür half ich anschließend ungefähr 2 000 Sektenaussteigerinnen und Sektenaussteigern, von denen viele den Weg über die Evangelische Zentralstelle für Weltansschauungsfragen (EZW) zu mir fanden. Als ich die EZW auf die Beratungskosten hinwies, überwies man mir eine "einmalige Spende" in Höhe von 200 Mark!

Die Neuapostolische Kirche ist übrigens tatsächlich eine "klassische Sekte" - und zwar in mehrfacher Hinsicht. Sie entstand 1896 nach unzähligen Abspaltungsprozessen und folgte bedingungslos Meistern, die sich "Stammapostel" nannten. Nur diese Meister verkörperten den "richtigen Weg". Wer ihnen nicht glaubte, galt als verdammt und gehörte zum Anhang des Teufels, dem bis zum Jahre 2000 der Garaus gemacht werden sollte. Was sich als Irrtum erwiesen hat, von dem sich die Neuapostolische Kirche nur schwer erholt - oder gar nicht mehr.

Die Zeugen Jehovas sind die zweite "klassische Sekte". Die hat in Deutschland eine erstaunlich stabile Zahl an Anhängern, obwohl alle, die sich hartnäckig nicht an die internen Regeln halten, wieder ausgeschlossen werden. Offenbar sind in dieser Sekte Angst und das Gefühl des Auserwähltseins stärker verankert als in den "klassischen Sekten", die laut "Berliner Zeitung" schrumpfen und "langsam verschwinden".

Parallelwelten erschaffen sich immer wieder neu. Dafür gibt es viele Gründe. Wer nicht in diesen Sog geraten will, muss stark sein oder gestärkt werden.




Sonntag, 2. Oktober 2011

Sprachmüll

2. Oktober 2011
Von hochstapelnden Verbalakrobaten

"Wie dringend diese komplexe und geheimnisvolle Interaktion zu entschüsseln ist, ist durch die Kinder begründet." Hat der Sozialpädagoge Ruthard Stachowske im Oktober 2009 in einem Beitrag für die "Deutsche Hebammenzeitschrift" geschrieben. Was aber will er den Hebammen damit sagen? Doch wohl dies: "Lasst Kindern Zeit, wenn sie sich mit einem Problem herumschlagen. Irgendwann rücken die mit der Sprache heraus." Dann aber würde jeder Zeitschriftenmacher abwinken: "Das drucke ich nicht. Das weiß doch jeder."

Ruthard Stachowske aber will gedruckt werden. Gehört werden will er auch. Schafft er mit Sprachmüll. Bis man diese verbalen Abfallberge wieder abgetragen hat, trägt der sich schon in die nächste Referentenliste ein. Und erschreckt weitere sozialpädagogische und jugendamtliche Zuhörerinnen und Zuhörer mit entsetzlichen Fällen. Doch immer noch kann alles gut werden. Mit der Langzeittherapie, die er als Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch (TG) angeboten hat. Die ist besser als jedes Methadonprogramm, verklickerte er Radio Bremen kurz vor seiner fristlosen Entlassung.

Am 4. Januar 2008 ist Stachowske sogar noch "Psychologischer Psychotherapeut - Approbierter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut - Familientherapeut" gewesen. Steht in einer Stellungnahme, die zudem Arnhild Sobot als "Diplom-Sozialpädagogin - Suchttherapeutin (VDR)" und Dr. Volkhard Lechner als "Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie" unterschrieben haben. Offiziell führt Stachowske von den hier aufgezählten Titeln nur noch den Titel "Familientherapeut", auf die Zusammenarbeit mit Lechner hat die Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg als Trägerin der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch inzwischen verzichtet. Sobot ist noch in der TG.

Schaun mer mal uns den Sprachmüll an, den dieses Trio seinerzeit produziert hat, weil ein Familiengericht anders entschied als von Sobot, Lechner und Stachowske erwartet. Die Mutter, um die es hier ging, war aus der TG wieder abgehauen, ihr Kind war nicht mehr lange dort.

Stachowske und Sobot hatten sich bereits am 26. Oktober 2007 in einem Brief an das zuständige Jugendamt als Sprachmüll-Experten erwiesen: "...dass von sehr deutlichen Rückkoppelungsprozessen dieses elterlichen Störungsbildes auf den Sozialisationsprozess der Tochter auszugehen ist." Klingt nach Nürnberger Trichter. Die Mutter wirft ihr Störungsbild bei der Tochter oben rein und schon wird aus dem Kind nichts mehr.

"Darüber hinaus haben wir mit großem Fragezeichen wahrgenommen, dass ihre Arbeitszeiten unmittelbar vor ihrer Aufnahme in unserer Einrichtung in einer Nachtbar so waren, dass sie in der Nacht gearbeitet hat, um am Tag nicht zu arbeiten", wuchs der verbale Abfallberg in diesem Schreiben dieser beiden Experten für Nachtbars und andere Arbeitszeiten. Oben drauf kam noch dieser Sprachmüll: "Wir haben uns sehr wohl gefragt, welche Art von Gastronomie dies sein kann, wenn dort bis in den frühen Morgen hinein Frau...tätig war."

Was sollte das denn bedeuten? Dass diese Mutter mit ihrem Störungsbild per Rückkoppelungsprozess nicht nur die Zukunft ihrer Tochter, sondern auch den Ruf einer Kneipe zerstörte? Müsste man jetzt Stachowske und Sobot verteidigen, könnte man nur auf verminderte Zurechnungsfähigkeit plädieren.

Auch Dr. Volkhard Lechner als Dritter im Schriftstellerbunde machte am 4. Januar 2008 aus dem Verbalmüll keine sprachlichen und wissenschaftlichen Diamanten. Bei der Tochter beklagten Sobot, Stachowske und Lechner "eine nicht vorhandene Begrenzungsfähigkeit im Rahmen von Körper- und Intimkontakten zu ihr nicht näher bekannten Erwachsenen". Damals war dieses Mädchen neun Jahre alt und angeblich auch noch ängstlich und depressiv...

Derartige Ungereimtheiten bot dieses Trio damals als "fachspezifische Erkenntnisse" an, die vom Familiengericht angeblich nicht ausreichend gewürdigt worden waren. Also schlussfolgerten Sobot, Stachowske und Lechner, "dass es zu keiner Abwendung des ´unverschuldeten elterlichen Versagens´ durch einen dem Störungsbild der Kindesmutter angemessenen Prozess kommen wird und somit das Kind im Verlaufe ihrer Lebensentwicklung von diesem Status der Kindesmutter mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiterhin betroffen bleiben wird."

Vielleicht auch deswegen hatte wenig später ein Diplom-Psychologe, der ein Gutachten über die Familie erstellte, Fragen an Stachowske. Antworten blieb der Sozialpädagoge schuldig, vermerkte die Familienrichterin in einer Protokollnotiz. Was Stachowske zu erzählen habe, seien lediglich Schauergeschichten.

Und was ist aus Mutter und Kind geworden? Eine kleine, glückliche Familie. Wer hätte das gedacht? Sobot, Stachowske und Lechner nicht...Darf man also getrost festhalten: Experten sind das nicht.

Sprachmüll II

Freitag, 15. Juli 2011

Kaum zu glauben

15. Juli 2011
Argumente wie von Marc

Die Kommentare auf diesen Seiten werden von mir moderiert, ich veröffentliche alle, in denen auf wüste persönliche Beschimpfungen verzichtet wird. Deshalb ist auch dieser Kommentar im Netz:

"ich kann nicht verstehen was das hier soll , nach 15 jahren abhängigkeit , hat Ruthard Stachowske und sein Team mir sehr geholfen , ich habe ein neues leben geschenkt bekommen und wäre jetzt nicht da wo ich jetzt bin...ohne abhängigkeit . Ihr dürft nicht vergessen das drogenabhängige Eltern nicht in der lage sind Kinder zu erziehen , also stellt euch nicht als Engel dar...manchmal muss man Kinder vor den Eltern schützen , ihr solltet einmal die Leute befragen die es geschafft haben , dank dem starken Team und heute nach vielen Jahren immer noch clean sind und ein neues Leben begonnen haben...ich kann auch verstehen das nicht jeder mit der Therapie Methode klar kommt , doch muss man nicht alle auf einen haufen werfen..."


Diese Argumentationsweise kommt mir bekannt vor. Aus einem Gegen-blog, das von einem gewissen Marc gepflegt worden ist, bis er sich als Verteidiger von Ruthard Stachowske in Schweigen hüllte.

Marc machte sich mehrfach lächerlich, das ist hier genügend gewürdigt worden. Diese Fragen wird aber auch der Verfasser des obigen Kommentars nicht beantworten können: Warum hat Stachowske nie auf meine Bitte reagiert, mir Gespräche mit erfolgreich Therapierten zu ermöglichen? Warum wurde keine meiner Fragen beantwortet? Warum belog Stachowske das Landgericht von Hamburg, warum beschimpfte er im Netz Ex-Klientinnen und behauptete sogar noch, er habe alle Gerichtsverfahren eindeutig gewonnen?

Fakt ist doch: Stachowske und sein Team haben unzählige Behörden und Gerichte mit derart vielen Falschinformationen und Fehleinschätzungen zugeschüttet, dass die gar nicht mehr wussten, wie ihnen geschah. Einige Behörden begreifen erst jatzt, auf was sie hereingefallen sind. Andere Behörden müssen sich den Vorwurf der gewissenlosen Zusammenarbeit mit Stachowske und seinem Team gefallen lassen. Einige Behörden und Gerichte sind früh genug aufgewacht und haben Stachowske und seinem Team den Stuhl vor die Tür gesetzt...

Das ist nun Geschichte, die aufgearbeitet werden muss. In aller Ruhe. Und konsequent. Nie wieder dürfen in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch Menschen so gedemütigt, erniedrigt und in Angst versetzt werden, wie bis zur Entlassung von Stachowske geschehen...

Dienstag, 13. April 2010

This old house is...

1. April 2010
Der Professor und die Wahrheit

Ruthard Stachowske und die Wahrheit - auch Thema des  Artikels "Von wegen: gemeinsame Lösung suchen". Und meins. Denn über mich hat der Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft auf schriftlichem Wege in die Welt gesetzt: "ehemaliger Redakteur", "selbst ernannter Redakteur", dann behauptete er sogar, ich sei wegen meiner Berichte "gerichtlich belangt worden". Damit kann Ruthard Stachowske eigentlich nur ein Ziel verfolgen: mich unglaubwürdig machen. Das schreckt mich nicht. Andere haben das auch versucht. Ist stets misslungen. Denn: Eines Tages kommt die Wahrheit doch ans Licht.

Nur weil Ruthard Stachowske gegen mich eine einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Hamburg erwirkt hat und einen Antrag auf Einleitung eines Ordnungsmittelverfahrens stellte, bin ich längst noch kein gerichtlich Belangter. Was endgültig aus der einstweiligen Verfügung wird, entscheidet das Gericht erst noch, dem Ordnungsmittelverfahrens-Antrag ist noch gar nicht entsprochen worden. Dieser Antrag basiert übrigens auf einer merkwürdigen Aussage, die unkonkret ist wie jeden Tag in der Tageszeitung mein Horoskop...

5. Dezember 2009
Von wegen: gemeinsame Lösung suchen

„This old house is not a home/Without you here“, heißt es in einem wunderschönen Lied von Marit Larsen aus Norwegen. Kim Steiner (Name geändert) kennt dieses Gefühl. Sommer 2007: Die 24-Jährige ist seit ein paar Tagen mit ihrer Tochter in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch. Freiwillig. Dann will sie wieder weg, zurück zu ihrer Familie, zu dem Vater ihrer Tochter.

Nun hätte Ruthard Stachowske als Leiter der Einrichtung dies tun können: Mit Mutter und Kind gemeinsam eine Möglichkeit suchen, damit die Familie auch räumlich wieder zusammenrücken kann. Macht er nicht. Statt dessen sagt er: „Deine Abhängigkeit von deiner Familie ist zu groß.“

In Schreiben an Behörden gibt sich Ruthard Stachowske gern als jemand, dem eines am wichtigsten ist: eine schöne Atmosphäre schaffen. Kim Steiner aber erlebt, was viele ehemalige Patientinnen berichten: Sie wird so lange unter Druck gesetzt, bis sie sich immer schwerer selbst belastet. Schriftlich. So wird aus einer Mutter, die sich trotz ihrer Drogenabhängigkeit um ihre Tochter und ihre Wohnung gekümmert hat, die Hilfe von ihren Eltern, ihren Geschwistern und von anderen bekam, wenn sie Hilfe brauchte, eine Gewalttäterin, die ihr Kind züchtigte und ihre Wohnung verkommen ließ.

Solche Geschichten hebelt der Leiter der Einrichtung vielen Berichten Betroffener zufolge mit Psychotricks in die Welt der Jugendämter und Familiengerichte, die dieses Spiel nur durchschauen könnten, wenn sie Tag und Nacht in der Einrichtung wären. Können sie aber nicht sein. Darum glauben Behörden eine Zeitlang, es sei besser, wenn Kinder von ihren Müttern getrennt werden. Ist dieser Punkt erst erreicht, wächst die Angst der Patientinnen vor dem Verlust alles Liebgewonnenen. Beihilfe leisten andere Patienten und Patientinnen, die immer dann zusammengetrommelt werden, wenn es gilt, jemanden in die Enge zu treiben.

Das bleibt vielen Angehörigen nicht verborgen. Auch der Familie dieser Patientin nicht. Die Mutter von Kim Steiner reagiert darauf im Internet mit wütenden Attacken gegen Ruthard Stachowske. Der schaltet nicht nur die Staatsanwaltschaft ein, die 24-Jährige muss auch lesen, was ihre Mutter schreibt: „Vieles davon hat mich verletzt, weil ich die Beweggründe meiner Familie nicht kannte.“

Das Team von Ruthard Stachowske sammelt aber nicht nur Material über diese Familie, er füttert die Staatsanwaltschaft auch mit Material über andere Familien. Zweimal erreicht er so eine Verurteilung, ein drittes Verfahren ist inzwischen eingestellt worden. So kommt er also nicht mehr weiter - und Kim Steiner hat vor einigen Wochen die Einrichtung mit ihrer Tochter verlassen, weil sie „es nicht mehr aushielt“. Dafür nahm sie all ihren Mut zusammen - und hatte Hilfe von außen, mit der sie nicht rechnete.

Wie aber eine Katze das Mausen nicht lässt, verlässt auch der Leiter der Einrichtung den juristischen Weg nicht. Erst ein Anwalt aus Hamburg, dann ein Anwalt aus Uelzen verschickt Abmahnungen und Unterlassungserklärungen, droht mit Klage und anderen Widrigkeiten, bis die Empfänger beschließen: „Wenn der Postbote mit einem Einschreiben vor der Tür steht, sagen wir ihm: Ich verweigere die Annahme.“

Damit hat Ruthard Stachowske offenbar Probleme. Allmählich wird er begreifen müssen, dass er in einer Sackgasse gelandet ist, aus der er so nicht mehr herauskommt: mit Klagen. Denn zumindest zwei derart aufs Korn Genommene haben beschlossen: „Wenn der Leiter der Einrichtung vor Gericht auf uns schießt, dann fliegt ihm der Gefechtsstand um die Ohren.“ Und wie!

Dienstag, 2. Februar 2010

Das Tagebuch I

26. Januar 2010
Für jeden Tag ein Kreuz auf ein Kalenderblatt

114 schreibt Simone B. auf ein Kalenderblatt. Mit Kugelschreiber. Blau. Das Kalenderblatt trägt das Datum 17. Juni 2004. Die Sonne ist um 5.05 Uhr aufgegangen, um 21.41 Uhr geht sie unter. Simone B. ist seit fast vier Monaten in einer Außenwohnung der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch. Schreibt zwei Tage später in ihr Tagebuch: „Heute ist Samstag, und es ist total beschissen. Ich habe das Gefühl, ich lasse Merlin in Stich. Aber was soll ich machen?“ Merlin ist der Sohn von Simone B. Vier Jahre alt. Sie darf ihn nicht sehen. Sie ist seit 114 Tagen in „Klausur“, verabschiedet sich von jedem Tag mit einem Kreuz auf einem Kalenderblatt. „Klausur“ nennt der Leiter der Einrichtung die Isolation von Patienten.


Fast sechs Jahre später sagt Simone B.: „Obwohl alles schon so lange her ist, muss ich immer wieder an diese Zeit denken. Ich bin zwar clean, aber die Zeit in Wilschenbruch hat auch einiges in der Seele kaputt gemacht.“ Daran können nach ihrem elfmonatigen Aufenthalt in der Einrichtung auch Psychologen nichts ändern. Ihre große Stütze ist eine Frau, die ebenfalls in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch gewesen ist: „Wenn ich bei ihr bin, reden wir viel über früher. Ich bin dann froh, dass ich einen Menschen habe, der das auch durchgemacht hat.“

Viermal ist sie in Wilschenbruch in „Klausur“ geschickt worden. Das erste Mal nach drei Wochen. Nach einem Kuss für einen Patienten. „Ihr hattet Sex“, behauptet das Team. „Hatten wir nicht“, sagt Simone B. heute noch. Sie wird von Merlin getrennt, muss den Tag unter einer Treppe verbringen und „über ihre Fehler nachdenken“. Noch schlimmer ist für sie die Trennung von ihrem Sohn: „Immer hatte ich Angst, habe gedacht, ich mache das alles nur für ihn.“

Teil 2

Tagebuch II

30. Januar 2010
Mutter darf ihren Sohn nicht grüßen

Wieder das Wort „Angst“. Auf dem Kalenderblatt vom 18. Juni 2004. Simone B. schreibt: „Heute bin ich in die Dachwohnung gezogen. Es ist alles Scheiße, und ich habe Angst vor dem, was kommt. Ich habe Angst davor, Merlin zu verlieren. Ich habe Angst davor, dass Merlin bald in eine Pflegefamilie kommt. Ich fühle mich absolut kalt und tot.“

Auch Simone B. berichtet, dass sich meistens andere Mütter um ihren Sohn gekümmert haben, der Leiter der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch habe zu ihr gesagt: „Merlin habe ich jetzt unter meiner Obhut.“ Derlei nennt Professor Dr. phil. Ruthard Stachowske „familienorientierte Drogentherapie“. Die dem Bericht von Simone B. zufolge dazu führen kann: Merlin schläft in einem Nebenzimmer, darf aber nicht zu seiner Mutter.

Im Netz gibt es eine Suchmaschine für Therapie-Einrichtungen in Niedersachsen. Dort findet man auch die Therapeutische Gemeinschaft Wilschenbruch. Dafür sorgt die Therapiekette Niedersachsen, deren „Annahmestelle“ in Hannover laut männlicher Stimme auf einem Anrufbeantworter seit Ende 2009 geschlossen ist.

Per mail habe ich am 9. November 2009 diese Therapiekette um eine Stellungnahme zu den Schilderungen von Müttern gebeten. Fast drei Monate später bekam ich auf einem Briefbogen ohne Anschrift und ohne die üblichen Kontaktdaten diese Antwort: „Als Vorstandsvorsitzender der Therapiekette Niedersachsen bestätige ich den Eingang Ihrer Mail. Die von Ihnen in dieser Mail gemachten Aussagen bezüglich der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch können wir nicht teilen. Johannes Harwardt“.

Würde bedeuten: Alle Mütter, die sich bis heute bei mir gemeldet haben, saugten sich ihre „Aussagen“ aus den Fingern, wie Simone B. ebenfalls diese: „Drei Wochen lang durfte ich meinen Sohn nicht einmal grüßen oder ihn in den Arm nehmen. Ich sollte einfach an ihm vorbeilaufen.“ Für die Therapeutische Gemeinschaft Wilschenbruch hatte sie sich nach ihren Worten aus diesem Grund entschieden: „Ich habe damals die Therapie gemacht, um meinem Sohn wieder näher zu sein.“ Damit habe sie nicht gerechnet: „Ich wusste damals nicht, dass man uns auseinander bringen wollte.“

Teil 3